Wie geht die Psychotherapie vor?
Die jeweilige Behandlung richtet sich nach den individuellen Problemen und der Lebensgeschichte des Klienten. Mit dem einen Klienten sind klärende Gespräche über Partnerprobleme oder berufliche Probleme vonnöten; beim anderen steht die direkte Auseinandersetzung mit aktuellen Lebenssituationen im Mittelpunkt (z.B. mit dem Klienten oder der Klientin eine Stunde lang Tram zu fahren, um gewisse Ängste "wegzuüben"); bei einem anderen Klienten geht es um eine aktive Arbeit mit seiner Vorstellungskraft oder um eine "Traumtherapie", und wieder bei einem anderen um die Deutung von Märchen, in denen ein Motiv eine Lösung eines persönlichen Problems anbietet, wenn man ihren seelischen (archetypischen) Hintergrund versteht.
Die Psychotherapie verstärkt die unbewussten Selbstheilungskräfte, die jedem Menschen innewohnen, beim Klienten noch blockiert sind. Hierbei ist es wichtig, - wie bei der ärztlichen Behandlung einer körperlichen Wunde - dass die "Seelenwunde" und ihre unbewussten "Erreger" (Komplexe, Archetypen, pathogene Überzeugungen etc.) bewusst gemacht und beobachtet werden und emotional Stellung bezogen wird. Dabei werden Krankheit und Gesundheit akzeptiert, das Gesunde jedoch gefördert, um das natürliche, widerstandsfähige Wesen des Menschen wieder Oberhand gewinnen zu lassen. Der Klient muss sich aber oftmals mit kleineren oder nur Teilerfolgen begnügen.
Die folgende Idee ist der persönliche Leitfaden für meine Arbeit mit Menschen. Das Heilmittel der Psychotherapie ist dreifacher Art: die gefühlsbetonten Bilder und Ideen aus dem Unbewussten, die im Klienten während des psychotherapeutischen Prozesses mit einer erwartungsvollen Aufmerksamkeit aktiviert werden; die menschliche Beteiligung des Psychotherapeuten durch seine Einfühlung in die Erlebnisse seines Klienten; das gegenseitige partizipatorische Interesse an der gemeinsamen Suche nach einem Sinn im Leben und Leiden des Klienten auf dem Weg zur Heilung, d.h. zur Selbstverwirklichung. Absolut notwendig für die Wirkung des psychotherapeutischen Prozesses ist die aufrichtige Einstellung des Klienten sich selbst gegenüber. Entstehung und Verlauf eines körperlichen und psychischen Heilungsprozesses bleiben aber nach wie vor ein Geheimnis, wie Ursprung und Werden einer tragenden Liebe, das sich rational nie vollständig erklären lässt.