Ausblick

Als nächstliegendes Ziel einer Psychotherapie lernen Sie, Ihre seelischen Verletzbarkeiten und Wunden besser wahrzunehmen und zu akzeptieren, um deren Anteil an Ihren aktuellen Lebensproblemen angemessener fühlen und verstehen zu können. Der Mann entdeckt seine Männlichkeit durch "die Frau in ihm", die Frau ihre Weiblichkeit durch "den Mann in ihr". Körper und Seele spielen mehr zusammen als gegeneinander in den Erlebnissen der Sinnlichkeit und Sexualität.

Einerseits werden Sie für die Schönheit zugänglicher. Anderseits kann die Psychotherapie Ihnen helfen, sich mit Ihren Lebensproblemen so auseinanderzusetzen, dass Sie neben der Schönheit auch die Tragik des Lebens annehmen und den verborgenen Sinn einer Krise näher kennenlernen können. So können Sie im Verlauf der Psychotherapie die Fähigkeit gewinnen, sich selbst zu akzeptieren und Ihr Leben besser zu gestalten. Das Individuum wird offener, sich selbst, dem Partner, dem Mitmenschen, der Natur und dem Religiösen neu zu begegnen.

Die Psychotherapie lockt sowohl Ihre positiven, als auch negativen Eigenschaften aus dem Schatten des Unbewusstseins ins Licht des Bewusstseins. Sie können Ihrem eigenen Menschsein mit seiner Begabung und Begrenzung, der Freude und der Angst, der Liebe und dem Zorn, dem Guten und dem Bösen ehrlicher begegnen und dieses Menschsein ganzheitlicher zum Ausdruck bringen. Deshalb ist ein wichtiges Ziel der Psychotherapie, Ihre Entscheidungs- und Ihre Beziehungsfähigkeit in Harmonie mit den Möglichkeiten des Selbst zu entwickeln. Wie bei einer somatischen Behandlung müssen Sie bereit sein, sich mit unerwarteten Ergebnissen auseinanderzusetzen und Überraschungen anzunehmen.

Nicht allzu selten findet man die eigentliche Ursache des Leidens in einer gestörten Umwelt - Partnerbeziehung, Familie, Bekanntenkreis, Beruf, gesellschaftliche Bedingungen oder architektonische/geographische Umgebung etc. -, die ein widerstandsgeschwächtes Individuum zum Träger einer Neurose - oder in extremen Fällen sogar zum unwilligen Schauspieler einer Psychose - machen kann. C.G. Jung hat einst in seinem Artikel "Allgemeine Gesichtspunkte zur Psychologie des Traumes" (Gesammelte Werke, Bd. 8, Par. 494) geschrieben: "Das Individuum ist bekanntlich keineswegs allein durch sich selbst bestimmt, sondern ebensosehr auch durch seine kollektive Bezogenheit." und in einem anderen Artikel "Was ist Psychotherapie?" (Gesammelte Werke, Bd. 16, Par. 37): "Die Neurose zwingt uns, den Begriff der "Krankheit" über die Vorstellung eines in seinen Funktionen gestörten Einzelkörpers hinaus zu erweitern und den neurotischen Menschen als ein erkranktes soziales Beziehungssystem zu betrachten." Erlebt ein Mensch aber Harmonie als liebendes und liebenswertes Mitglied seiner Gemeinschaft, so besitzt er zugleich die Kraft, als selbstbewusstes Individuum "die Unabhängigkeit des Einsamen" tragen zu können. In diesem Sinne möchte ich mit einem Zitat des amerikanischen Schriftstellers Ralph Waldo Emerson († 1882), das ich mir bei jeder Psychotherapie gerne zu Herzen nehme, schliessen:

Zitat

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