Werde ich von meinem Psychotherapeut / meiner Psychotherapeutin abhängig?

Nicht mehr als ein Wanderer, der seine Orientierung verloren und die Grenze seines Heimatlandes überschritten hat, von dem Reiseführer abhängig ist, der den verirrten Wanderer auf den Weg nach Hause begleitet. Oder: Der Psychotherapeut bzw. die Psychotherapeutin ist wie ein Archäologe, der dem Laien die verborgenen "Funde", die beide im Garten des Laien entdeckt haben, ausgraben und bestimmen hilft.

In einem gewissen Sinn ist der/die Psychotherapeut/Therapeutin wie ein Medizinmann, der das Werden des neuen Menschen initiiert. Dadurch entsteht aus einem gemeinsamen Ziel eine tiefempfundene menschliche Beziehung. Wie in jeder menschlichen Beziehung spielen auch in der Psychotherapie Übertragungen eine entscheidende Rolle. Psychologen sprechen hier von "Projektionen": Projiziert ein Klient auf einen Psychotherapeut z.B. sein Vaterbild, so bringt der Klient die Gefühle, die er seinem Vater entgegenbringt oder gebracht hat, jetzt zum Teil dem Psychotherapeut entgegen. Mit einer Projektion kann der Klient bzw. die Klienten in einem Teilbereich abhängig werden. In solchen Fällen hat der/die Psychotherapeut/Therapeutin die Verantwortung, die sich möglicherweise einmischenden Machtansprüche im Sinne von Gegenübertragungen sich selbst und dem Klienten bzw. der Klientin bewusst zu machen und mit ihm/ihr zu verarbeiten.

Der/die Psychotherapeut/Therapeutin hat die Aufgabe, den psychotherapeutischen Prozess einzuleiten, zusammen mit Ihnen den Verlauf der Psychotherapie im Bezug auf das jeweilige "Zentralproblem" gewissenhaft zu verfolgen und Ihnen diesen Verlauf fortwährend bewusst zu machen. Der Abschluss der Psychotherapie - oder auch deren gelegentliche Unterbrechung - bleibt dem gemeinsamen Ermessen von Klient und PsychotherapeutIn überlassen.

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Will I become dependent upon my psychotherapist?